Sexualverhalten

Homo oder Hetero ja. Aber Bi?

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Die "Sexologen" des letzten Jahrhunderts befanden sich in folgender Ausgangssituation: Ganz offensichtlich stimmte die aus der Antike und dem Mittelalter stammende Vorstellung nicht, dass Sex nur dann natürlich sei, wenn er im Dienste der Fortpflanzung stünde. „Natürlich war nur Sex zwischen Mann und Frau.

Unzüchtige und Sodomisten

Alles ausser Sex in der Ehe galt fast 2000 Jahre lang als Unzucht, Selbstbefriedigung war unnatürlich. Wenn Mann und Mann Sex miteinander hatten ("Handanlegen beim Anderen", OV, AV), so galt dies als widernatürlich; wer sich sexuell so verhielt, war ein Sodomist, er „ketzerte“. Das war nicht nur Sünde sondern ein todeswürdiges Verbrechen. Diese Meinung stützte sich auf das Alte Testament. Jedweder Sex ausserhalb der Ehe war zumindest Unzucht.
Diese Bewertung war unzweifelhaft gesellschaftlicher Konsens. Solcherart "Denken" hatte im 17. Jahrhundert verheerende Folgen angenommen. Sodomisten vernichtete man „traditionsgemäß“. „Wenn ein Mann bei einem Mann liegt, wie man bei einer Frau liegt, haben beide einen Gräuel verübt. Sie müssen getötet werden.“ Onanisten waren ein Fall für die Medizin und die Irrenhäuser.

Unzucht und Sodomie waren gefürchtet, weil dadurch Gott zum Zorn gereizt wurde und die Menschen strafte. Hatte bspw. ein Unwetter die Ernte zerstört, so wurde die als Strafe Gottes interpretiert. Ihr konnte man eventuell nur entgehen, wenn man „das Böse“ ausmerzte. Dieser Vorstellung und aufgrund entsprechender staatlicher Gesetze vielen unzählige Menschen zum Opfer. Sie wurden auf grausamste Weise getötet. Lediglich Priester wurden regel- mäßig verschont.


Die Medizin tickt nun aber etwas anders als die Religion. Sie betrieb sozusagen Ursachenforschung. Mitte des 19. Jahrhunderts bekam "sexuelles Verhalten" die wissenschaftliche "Sexualität", sie wurde unterteilt in Homo- und Heterosexualität. An Bi-Sexualität als eigenständige Kategorie dachte noch niemand. Diese Einteilung macht eigentlich auch keinen Sinn, sie bringt nichts.

Erst die Kinsey-Reporte aus der Mitte des letzen Jahrhunderts konnten aufzeigen, dass viele Menschen homosexuelle Neigungen haben.

Es gibt nur eine Sexualität, die in verschiedenen Varianten ausgelebt wird.
Gemeinsam sind wir alle „nur“ Sexualwesen.

Der allergrößte Teil von uns befriedigt sich selbst. Wenn wir einem Menschen begegnen, der in unser sexuelles "Beuteschema" passt, dann springt unser Motor, "getrieben von unserem ganz individuellen Hormon-Cocktail an". Die einen stehen nur auf Männer, die anderen nur auf Frauen. Noch anderen ist das egal. Sie machen's mit Männern und Frauen. - Dem Sexualtrieb ist's egal, er begehrt nur bestmögliche und erreichbare Befriedigung. Wir alle sind „nur“ Sexualwesen und wünschen uns tolle Befriedigung. Erst unser praktisch gelebtes Sexualverhalten gibt Aufschluss und Auskunft darüber, ob wir homosexuelles oder heterosexuelles Verhalten „von Natur aus“ bevorzugen. Die Natur kennt allerdings keine festen Grenzen.

Aussagen
Einer sagte: Ich habe von Anfang an Sex mit Jungen haben wollen. Mein Sexualtrieb suchte sie, ich machte es gern mit ihnen. Leider stand das damals unter Strafe. Mein Kopfkino lieferte mehr "homosexuelle" Inhalte.
Mädchenfantasien waren auch da, spielten aber eine untergeordnete Rolle.
Ein anderer sagte: Ich habe von Anfang an Sex mit Mädchen haben wollen. Mein Sexualtrieb suchte sie. Aber ich machte es auch gerne mit einem Kumpel. Das stand damals unter Strafe. Mein Kopfkino lieferte mehr "hetero- sexuelle" Inhalte. Jungenfantasien waren auch da, spielten aber eine untergeordnete Rolle. Dann habe ich meine Traumfrau kennengelernt.
Ein dritter erzählte: Anfang an Sex mit Mädchen haben wollen. Mein Sexualtrieb suchte nur sie. Mein Kopfkino lieferte nur "heterosexuelle" Inhalte. Möpse und Muschis spielten die wichtigen Rollen. Dann habe ich meine Traumfrau kennen gelernt. Sex mit einer Frau war für mich immer so erfüllend. Ich musste nie etwas anderes suchen.

Schubladendenken
Dass wir Sexualverhalten in homo und hetero einteilen, ist ja ok., obwohl wir dies nur den geschichtlichen Umständen zu verdanken haben. Es gibt "die Sexualität", aber nicht die "Hetero-" und/oder "die Homosexualität". Wieso sollte man noch eine weitere Kategorie, "die Bi-Sexualität", hinzufügen? - Auf der Ebene des reinen Sexualverhaltens macht dies wohl wenig Sinn. Auf ihr ist eine Abgrenzung immer nur theoretisch.

Etwas Logik im Denken hilft ungemein
Thesen, Behauptungen
1. Alle, die sich heterosexuell verhalten sind "Heteros".
2. Alle, die sich homosexuell verhalten sind "Homos".
Wir wissen, dass diese beiden "allgemeinen" Sätze nicht der Wirklichkeit entsprechen, daher rein sachlich nicht richtig und deswegen falsch sind. Da hilft der Trick der Einschränkungen.
1. Alle, die sich vorwiegend hetero- sexuell verhalten sind "Heteros".
2. Alle, die sich vorwiegend homo- sexuell verhalten sind "Homos".
Das "Vorwiegend" lässt praxis- bzw. wirklichkeitsnahe "Türchen" offen. Da kann ein Hetero mal Sex mit dem eigenen Geschlecht gehabt haben, aber das war's dann auch. Ebenso kann ein Homosexueller was mit 'ner Frau gehabt haben.

Sexuelle Treue ist eine Idee, die Wirklichkeit sieht jedoch deutlich anders aus.

Das bisher Dargelegte hat leider mehrere üble Haken. In unserem Kulturkreis ist Sex mit Liebe verbunden. Das drückt sich schon in der Mehrdeutigkeit der Sprache aus. "Hans liebt Herta" kann vielerlei bedeuten. Ob damit auch ein sexuelles Verhältnis gemeint ist, kann nur aus einem evtl. Kontext geschlossen werden. Das Gleiche gilt für "Hans liebt Franz". Die Natur hat der Sexualität Liebe als Bindemittel zugeordnet. Die Gesellschaft, unterstützt und untermauert von Religionen, favorisiert das Band der Ehe. Das ist unsere gelebte "Normalität".

Ausnahme oder Normalität?
Nun haben nicht alle das "Glück", über sich eindeutig sagen zu können: Ich liebe Männer, auch sexuell ziehen sie mich an. Die Mehrheit kann sagen: Ich stehe auf Frauen und liebe sie auch.
Was aber ist mit denen, die triebmäßig gerne mit dem gleichen Geschlecht rumsexeln möchten, den Sexpartner aber nicht lieben können? Jedenfalls nicht so, wie sie Frauen lieben. (Und umgekehrt)
Die persönliche Frage kann meiner Meinung nach nur immer lauten: Bin ich eher homo oder eher hetero veranlagt?
Weitere Aussagen
Jemand schrieb sinngemäß: Mit meinem Jugendfreund hatte ich heftigen Sex, wir hatten uns auch gern, galten als Paar. Freunde, die uns gut kannten, hielten uns durchaus für schwul.Dann bekamen wir Freundinnen. Der gemeinsame Sex ließ nach. Wir heirateten unsere Freundinnen, gründeten Familien und so. Sex zwischen uns beiden war lange kein Thema. Irgendwann kam es im gemeinsamen Familien-Urlaub dann doch wieder zu einer sexuellen Begegnung. Seitdem fahren die Beiden unregelmäßig gemeinsam in Urlaub, sind unter sich. Dann haben sie auch Sex miteinander, wie in alten Zeiten. Aber eines wäre auch völlig klar, schrieb er noch, Sex mit einem anderen Mann als seinem Freund wäre ihm nicht möglich. - Er schloss dies eindeutig aus.
Diese beiden Männer lassen sich nicht in eine Bi-Schublade zwingen. Sie verhalten sich "normalerweise" heterosexuell, nur im Ausnahmefall homosexuell ... und dies ausschließlich fixiert auf einen bestimmten Partner.

Fazit
Eine Einordnung in Homo und Hetero leuchtet noch ein. Aber zusätzlich noch eine weitere Schublade aufmachen? Meinetwegen, aber nur um der besseren Verständigung willen. Es gibt keine bisexuelle Veranlagung.
Die Erfahrung und das gesammelte Wissen weisen in folgende Richtung:
Die meisten Männer fühlen sich zu Frauen hingezogen. Mit sexuellen Seitensprüngen (auch mit dem gleichen Geschlecht) ist zu rechnen. Ganz so eindeutig kann man in „Homo“ oder „Hetero“ nicht einteilen. Aber Bisexualität im Sinne eines dritten Geschlechts gibt es nicht.
Die wenigsten Männer fühlen sich eindeutig zu Männern hingezogen. Jedoch können 4-15% der Männer von sich sagen: „Ich bin schwul.“
Alle, die nicht in dieses Schema passen, haben zwar keine Probleme, entsprechende Sexpartner zu finden. Wenn sie jedoch fest mit einer Frau liiert sind, vielleicht auch noch Kinder haben, dann bekommen sie Schwierigkeiten, wenn die Partnerin mit der sexuellen Untreue nicht zurecht kommt. Lösungsmöglichkeiten dieses Konfliktes gibt es sicher. Aber dazu sind Toleranz auch gegenüber unterschiedlichen sexuellen Verhaltensweisen nötig.

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Selbstbefriedigung - ein normales und wünschenswertes Sexualverhalten

Eine Leitseite zum Thema Selbstbefriedigung für den Aufklärungsunterricht, die Gruppenstunde oder zum privaten Gebrauch.

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Über das Sexualverhalten von Menschen

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Sexualverhalten - Das Schwule im Manne

Menschliches Sexualverhalten kann so beschrieben werden:

- Menschen befriedigen ihren Sexualtrieb immer dann selbst (SB), wenn sie keine(n) passende(n) und/oder bereiten Partner(in) zur Hand haben oder finden.
- Wenn Menschen einen passenden Sexualpartner haben, machen sie meistens gemeinsamen Sex.
-„Passend“ kann für etwa die Hälfte der Männer
phasenweise das eigene wie auch das andere Geschlecht sein:

sv20101208

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